GDV: Kreditversicherer sichern Liquidität und Lieferketten in schwierigen Zeiten
Steigende Insolvenzen, wachsende Zahlungsausfälle und neue Betrugsrisiken prägen das wirtschaftliche Umfeld in Deutschland. Beim Jahresmediengespräch des GDV 2025 warnten Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Geschäftsführerin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), und Dr. Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung des GDV, vor einer anhaltend hohen Belastung für Unternehmen.
Eine schwache Konjunktur, strukturelle Belastungen in zentralen Branchen sowie anhaltende geopolitische Unsicherheiten setzen den Unternehmen in Deutschland weiter zu: „Die wirtschaftliche Lage bleibt herausfordernd“, leitete Anja Käfer-Rohrbach das Mediengespräch ein. Zugleich sei klar: Die Kreditversicherung ist wichtiger denn je. Sie könne „ein Stabilitätsanker für die gesamte Wirtschaft sein – für Exporteure, den Mittelstand und für Zulieferer“. Angesichts des hohen abgesicherten Volumens könne man durchaus von Systemrelevanz sprechen.
Insolvenzen steigen – Belastung bleibt hoch
Ein zentraler Indikator für die angespannte Lage sei die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen. Nach knapp 22.000 Insolvenzen im Jahr 2024 rechnen die Kreditversicherer für 2025 mit einem Anstieg um rund zehn Prozent auf etwa 24.000 Fälle. Für 2026 prognostiziert man einen weiteren, wenn auch geringeren Zuwachs auf rund 24.500 Insolvenzen. Eine Abschwächung der Dynamik bedeute jedoch keine Trendumkehr, die Belastung für die Unternehmen sei real und anhaltend. Entsprechend wichtig seien präventives Monitoring und frühzeitige Interventionen, um Ausfälle möglichst zu begrenzen.
Parallel steigen dem GDV zufolge die finanziellen Folgen von Insolvenzen: Nach 56 Milliarden Euro im Vorjahr könnten sich die Zahlungsausfälle 2025 auf bis zu 65 Milliarden Euro summieren. Allein im ersten Halbjahr 2025 registrierten die Kreditversicherer mehr als 200 größere Insolvenzen von Unternehmen mit über zehn Millionen Euro Umsatz – ein Plus von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Risiken in vielen Branchen – besonders bei Zulieferern
Die Risiken betreffen weite Teile der Wirtschaft. Besonders unter Druck steht – das ist auch dem BARDO aus den Vorjahren bekannt – die Automobilindustrie mit ihrer gesamten Wertschöpfungskette. „Am unteren Ende der Lieferkette führen hohe Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern zu mangelnder Planungssicherheit“, erläuterte Dr. Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung im GDV. Rückläufige Produktion und sinkende Umsätze zehrten die finanziellen Puffer vieler Zulieferer auf – gerade in einer Phase, in der Investitionen in Transformation und Innovation dringend notwendig seien.
Auch energieintensive Industrien wie Stahl und Chemie, das Gesundheitswesen sowie Teile des Handels bleiben angespannt. Leicht positive Signale zeigen sich hingegen in der Bauindustrie, insbesondere im Tiefbau, wo sich Infrastrukturprogramme allmählich in steigenden Auftragsbeständen niederschlagen.
Warenkreditversicherung als Stabilitätsfaktor
Trotz des schwierigen Umfelds sichern die deutschen Kreditversicherer weiterhin umfangreiche Risiken ab. 2025 beläuft sich das abgesicherte Volumen auf über 600 Milliarden Euro, davon 506 Milliarden Euro in der Warenkreditversicherung und rund 97 Milliarden Euro für bereitgestellte Linien in der Kautionsversicherung. Die geleisteten Schadenszahlungen der WKV sind leicht gesunken: 1.125 Millionen Euro flossen laut GDV an versicherte Unternehmen. Dabei entfielen 474 Millionen Euro auf den Bereich Kreditversicherung, 205 Millionen Euro auf Vertrauensschäden und 445 Millionen Euro auf Schäden im Bereich Kaution.
„Wir können und wir wollen mehr Risiken absichern“, betonte Langen. Gerade angesichts steigender Insolvenzen könne die Kreditversicherung zusätzliche Stabilität schaffen und Unternehmen helfen, Liquidität und Lieferketten zu sichern. Dabei gehe es nicht nur um Schadenersatz, sondern auch um Früherkennung: Verzögerte Zahlungen seien häufig ein wichtiges Warnsignal für wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Eine aktuelle GDV-Studie zeigt jedoch eine geringe Marktdurchdringung im Mittelstand. Während über 40 Prozent der Großunternehmen eine Warenkreditversicherung nutzen, sind es bei mittelgroßen Unternehmen lediglich rund zehn Prozent. „Schon vermeintlich kleine Zahlungsausfälle können diese Unternehmen hart treffen“, so Langen. Bei einer durchschnittlichen Umsatzrendite von sieben Prozent müsse ein mittelständisches Unternehmen einen zusätzlichen Umsatz von rund einer Million Euro erwirtschaften, um einen Forderungsausfall von 70.000 Euro auszugleichen.
Zunehmende Betrugsrisiken durch KI
Zusätzliche Risiken entstehen durch steigende Vertrauensschäden. Für 2025 rechnen die Kreditversicherer mit Schäden von über 200 Millionen Euro, ein Anstieg um rund 20 Prozent. Ursache ist vor allem die zunehmende Professionalisierung von Betrugsmaschen durch Künstliche Intelligenz. Die KI ermögliche täuschend echte E-Mails, Deepfake-Anrufe und hochskalierte Angriffe, erklärte Langen. Für Unternehmen werde es dadurch immer schwieriger, Betrugsversuche zu erkennen. Umso wichtiger seien funktionierende Kontrollmechanismen, Schulungen und eine gelebte Compliance-Kultur.
Fazit
Die Kreditversicherung bleibt ein wichtiger Stabilitätsfaktor für Unternehmen, Banken und Lieferketten – und gewinnt insbesondere für den Mittelstand weiter an strategischer Bedeutung. Als Fachmakler für Kreditversicherung, Kautionsversicherung, Vertrauensschadenversicherung und Factoring schließen sich die BARDO-Mitglieder der Einschätzung des GDV an. Kreditversicherungsmakler fungieren dabei als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Versicherern. Sie übersetzen komplexe Risikoeinschätzungen, begleiten Deckungsentscheidungen und unterstützen ihre Kunden bei der frühzeitigen Reaktion auf Bonitätsveränderungen.
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